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Berliner Bürgerbräu - Ein Nachruf

Die Brauerei Berliner Bürgerbräu befindet sich am Ufer des Müggelsees in Berlin-Friedrichshagen. Sie war die letzte verbliebene Privarbrauerei Berlins. Gebraut wurde hier neben dem Bürgerbräu Pils eine Reihe von Spezialitäten. Das Rotkehlchen ist ein kräftiges, malziges Bier nach Märzen-Art. Bernauer Schwarzbier wird nach historischen Rezepten der ehemaligen berühmten Bernauer Brauereien gebraut. Dunkler und heller Bock (Maibock) sind saisonal erhältlich.

Gründung und Blütezeit

Die eigentliche Geschichte der Brauerei Berliner Bürgerbräu beginnt 1901, als die "Einkaufsgenossenschaft der Gast- und Schankwirte von Berlin und Umgebung" die Friedrichshagener Müggelschlößchenbrauerei übernimmt. Die Historie der Brauerei am Standort reicht freilich viel weiter zurück

Schon vor der Gründung Friedrichshagens im Jahre 1753 betrieb der Landjäger Bock auf seinem Grundstück einen Ausschank. Mit der Gründung der Gemeinde verlieh Friedrich der Große dem Lehnschulzen Domänenrat Pfeiffer die Schankgerechtichkeit. Dieser baute auf dem Grundstück am Müggelsee ein Brauhaus.

Das Schulzenamt wechselte mehrmals den Besitzer, bis 1869 das Grundstück durch den Kaufmann Herrmann Schäfer gekauft und das Brauhaus durch die größere Lindenbrauerei ersetzt wurde.

Nach mehreren Zwischenbesitzern kauft Ende der 1870er Jahre der Druckereibesitzer Jansen Grundstück und Brauerei. Als 1888 Wilhelm Wallburg in die Firma eintritt, wird die Brauerei in "Brauerei Müggelschlösschen Wallburg und Pauli" umbenannt.

Nach der Übernahme durch die Genossenschaft firmiert die Brauerei zunächst unter "Erste Genossenschaftsbrauerei der Gast- und Schankwirte von Berlin und Umgebung". Die Kapazität wird stetig erweitert, so dass 1912 100.000 hl und 1913 schon 140.000 hl abgesetzt werden können.

Die Brauerei benennt sich während des ersten Welkriegs in "Erste Genossenschaftsbrauerei Berlin-Friedrichshagen" um. Nach Rückgängen während und nach dem Kriege wird die Kapazität durch Investition von 3,5 Millionen Reichsmark 1925 gar auf 450.000 hl ausgebaut.

Ab 1925, als die Genossenschaft zerschlagen wurde, heißt die Brauerei "Berliner Bürgerbräu AG" oder kurz "BBB", wie es in großen Lettern an der Fassade prangt.

Verstaatlichung: Brauen für Devisen

Nach 1945 wird die Firma verstaatlicht und später dem ostberliner Getränkekombinat einverleibt. Sie bewahrt sich aber trotzdem eine gewisse Eigenständigkeit, da hier vor allem Premiumbiere für den Export auch in westliche Länder produziert wurden, die viele internationale Auszeichnungen erringen konnten und in der DDR als Devisenbringer hochwillkommen waren.

In den 80er Jahren zieht das Sudhaus aus den historischen Räumen in ein neues Gebäude. Die Technik, ein Doppelsudwerk von 2 x 360 hl mit moderner Steuerung, entspricht dem damaligen Stand der Technik. Auch der Lagerkeller wird modernisiert; das Bier lagert seitdem in acht freistehenden 1000 hl Lagertanks und zwei Drucktanks. Als Besonderheit besitzen diese Tanks keine Mantelkühlung, sondern das Bier wird beim Umpumpen durch einen Plattenwärmetauscher heruntergekühlt.

In den alten Gebäuden bleibt das historische Sudhaus erhalten und kann dort noch heute besichtigt werden. Auch der Fasskeller befindet sich noch im Altbau, die meisten Räume der historischen Brauerei aber stehen seitdem leer.

Privatisierung: Verkauf an die Hofmark-Brauerei

Nach 1990 wird der Betrieb von der Teuhand-Gesellschaft in eine GmbH umgewandelt und an die bayerische Hofmark Brauerei in Cham verkauft. Das erweist sich zunächst als ein Glücksgriff, denn die Eigentümerfamilie Häring versteht es, die BBB zu einer Familienbrauerei mit ganz eigenständigem Charakter zu entwickeln. Sie besetzen flexibel und erfolgreich Nischen im von Riesenkonzernen geprägten Markt.

Zwar sinkt der Ausstoß auf etwa 100.000 hl jährlich, und auch die Belegschaft muss auf etwa 10% der ursprünglichen Größe reduziert werden, aber die Spezialitäten wie Rotkehlchen, Bernauer Schwarzbier, Dunkler und Maibock erfreuen sich bei einem wachsenden Kennerkreis großer Beliebtheit. Auch das große kulturelle und lokalpolitische Engagement der Brauerei trägt zu ihrem guten Ansehen bei.

Mehrmals jährlich ergibt sich die Gelegenheit, die Brauerei ganz intensiv aus der Nähe kennenzulernen. Sie beteiligt sich beim Volksfest auf der Bölsche, beim Köpenicker und Friedrichshagener Kneipenfest und anderen Veranstaltungen und feiert im Spätsommer auch ein eigenes Brauereifest mit dem berühmten Müggelspreeschollenlauf.

Im ehemaligen Maschinenhaus der Brauerei finden in unregelmäßigen Abständen Veranstaltungen statt. Der Brauereiausschank befindet sich im benachbarten Bräustübl, wo mehrmals pro Woche Abende mit Livemusik, Kabarett oder Theater stattfinden.

Schließung und Ausverkauf an Oetker

Die Geschichte der Brauerei endete am 1. März 2010. An diesem Datum schließt die Braustätte, nachdem die Markenrechte und Rezepte an die Radeberger-Gruppe (Oetker-Konzern) verkauft wurden. Die Biere werden in der Radeberger-Braustätte Berlin-Hohenschönhausen, wo auch schon andere Marken wie Schultheiß, Berliner Pilsener und Rex Pils hergestellt werden, weiter gebraut.

Die Ankündigung, an gleicher Stelle, aber mit neuer Technik und geringerem Ausstoß Biobiere unter dem Namen "Köpenicker Bürgerbräu" brauen zu wollen, wurde bis heute (Stand Ende 2010) nicht umgesetzt.