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Bötzow Berlin erwachtBötzow Berlin

64 Jahre nach der Schließung wird die Bötzow-Brauerei jetzt aus ihrem langen Schlaf geweckt. War das Gelände bei der Brauereitour 2007 noch unzugänglich, zeigte heute der neue Eigentümer beim Tag der offenen Tür, was bisher für die Wiedergeburt der einst größten Brauerei Norddeutschland geleistet wurde. Wir waren dabei und sahen uns an, was über- und unterirdisch gezeigt wurde.

Das Gelände wurde von Prof. Näder, Eigentümer der Medizitechnikfirma "Otto Bock", erworben. In den nächsten Jahren sollen hier bis zu 200 Millionen Euro investiert werden, um die Brauerei zu einer Mischung aus Kunst, Kultur, Arbeit und Wohnen umzugestalten.


AktieBis in die in den 1860er Jahre standen auf dem Prenzlauer Berg noch acht Windmühlen. Bötzow, der bis dahin eine kleine Brauerei in der nahe gelegenen Schönhauser Allee führte, nutzte die hügelige Lage, um die ersten Lagerkeller in den Berg zu bauen. Die Keller befinden sich etwa auf Höhe der Prenzlauer Allee, während der Brauereihof rund 9 Meter höher liegt.

GesamtansichtBötzow braute hervorragendes Bier, das von der in der Gründerzeit wachsenden Berliner Bevölkerung gut angenommen wurde. 1886 wurde er sogar zum Hoflieferanten ernannt. Bötzow musste die Anlagen und Gebäude immer wieder erweitern, um die Nachfrage zu decken. Der Biergarten auf dem Brauereigelände fasste rund 6000 Menschen, was ihn zum größten Europas machte. Die Abbildung auf der Brauereiaktie zeigt das Gelände um 1930, als es die größte Ausdehnung erreichte und der Ausstoß bei über 200.000 Hektolitern jährlich lag.

Die Absatzverluste im ersten Welkrieg überstand Bötzow raltiv gut, aber im zweiten Weltkrieg wurde der Festsaal und die Villa vollständig zerstört und die Brauereigebäude beschädigt. Die Brauerei produzierte nach dem Krieg noch einige Jahre, wurde aber 1949 geschlossen und die Anlagen zum größten Teil demontiert. Bis 1990 dienten die Gebäude und Keller als Warenlager der HO-Handelsorganisation.


EingangDer Eingang zu dem 24.000 Quadratmeter großen Gelände liegt heute an der Prenzlauer Allee zwischen Saarbrücker und Metzer Straße. Am Pförtnerhaus kann man noch Fragmente der im zweiten Weltkrieg zerstörten Bötzow-Villa erkennen. Ansonsten ist vom vorderen Teil des Geländes, auf dem der Biergarten, der Festsaal und die Besitzervilla standen, nichts erhalten - ein Parkplatz, ein Kindergarten aus den 50er Jahren und ein Park mit dem Liebknecht-Gedenkstein, der an die Gründung des Revolutionsausschusses erinnert, die im Jahre im Jahre 1919 im Bötzow-Biergarten stattfand, sind die heutigen Nutzungen.

18641891Auf dem Hof trifft man zunächst auf den ältesten Teil der Brauerei. Das 1864 erbaute Haus diente zuletzt der Verwaltung und beherbergt heute die Bauleitung.

Die nächste Erweiterung erfolgte 1891. Dieses Gebäude war bis zur Schließung das Sudhaus. Hier sind zur Zeit die verschiedenen Projekte zur Zwischennutzung untergebracht.

La Soupe PopulaireLa Soupe PopulaireLa Soupe PopulaireDazu gehören Ausstellungen, ein Theaterprojekt, Gregor Scholls Bar "Le Croco Bleu" und das Restaurant "La Soupe Populaire", das von Tim Raue, Sternekoch aus dem Hotel Adlon, betrieben wird. Das Ambiente der Restaurants spielt mit der industriellen Umgebung und verspricht interessante Kontraste zwischen der Spitzengastronomie und dem morbiden Charme der verfallenden Produktionsgebäude. Beide Häuser öffnen ihre Türen ab 17. Mai 2013 - Vorreservierungen werden empfohlen.

GlasdachIm hinteren Teil des Geländes befinden sich die Flaschenhalle und die Rampen zur Auslieferung, die von einem, wie übrigens alle Gebäude denkmalgeschützten Glasdach überspannt werden.

Am daneben stehende Schornstein, der erst dieser Tage von den zur Sanierung angebrachten Gerüsten befreit wurde, prangt ein Neonbeleuchteter Schriftzug mit dem Kunstwort "Futuring", das die Bedeutung des Projekts als zukuntschaffende Denkfabrik ausdrücken soll.

Eindeutiger Höhepunkt der Führung durch das Gelände war der Gang durch die 5000 Quadratmeter großen Gewölbekeller der Brauerei. Der erste Teil wurde 1864 angelegt und immer wieder erweitert. Die ersten Keller arbeiteten noch mit natürlichem Eis aus den Berliner Seen, während ab ca. 1900 Kältemaschinen Einzug hielten. Nach Schließung der Brauerei wurden hier Waren gelagert. Nach der Wende, als das Gelände durch die Hände vieler verschiedener Investoren und  Spekulanten ging, waren Clubs und Künstler mehr oder weniger legale Nutzer der Gewölbe.

tl_files/bw_images/boetzow/keller_baum.pngtl_files/bw_images/boetzow/keller_gang.pngHeute sind die Wände der Keller mit dicken Schimmelschichten belegt. Nach mehrjähriger Trocknung und Sanierung sollen hier Markthallen nach Vorbild des New Yorker Chelsea Market einziehen.

Insgesamt verspricht Bötzow Berlin ein interessantes Projekt zu werden, das uns, wenn der Eigentümer wirklich den langen Atem hat, den er heute verspricht, noch Jahrzehnte begleiten wird.

Brooklyn BreweryOb das Gelände auch als Brauereistandort eine Zukunft hat, ist noch unklar. In der Berliner Abendschau vom 25. April 2013 sagte Prof. Näder: "Wir sind in Gesprächen mit der Brooklyn Brewery aus New York, die werden nach Berlin kommen. Wir werden zusammen mit Berliner Partnern auch hier auf Bötzow wieder Bötzow Bier brauen". Die Berliner Morgenpost schrieb von einem Konzept in Zusammenhang mit dem zukünftig an der Prenzlauer Allee zu errichtenden Hotel, wobei offen blieb, ob und gegebenenfalls von wem am Standort auch gebraut werden soll. 

Außer diesen Statements war auch vor Ort und auf ausdrückliche Nachfrage nichts näheres herauszubekommen. Das lässt Platz für Spekulationen, aber ich freue mich in jedem Falle schon auf ein Treffem mit Garrett Oliver, dem genialen Kopf der Brookly Brewery.