Besucher
Online:
19
Besucher heute:
428
Besucher gesamt:
758.785
Zugriffe heute:
1.616
Zugriffe gesamt:
3.497.041
Besucher pro Tag: Ø
299
Zählung seit:
 01.01.2011

Historische Brauereien im Berliner Nordosten

SchultheissDie Aufzählung der aktuell in Berlin produzierenden Brauereien ist sehr kurz: es gibt nur noch eine. Nachdem die einzige verbliebene Privatbrauerei, Berliner Bürgerbräu in Friedrichshagen, Anfang 2010 ihre Markenrechte und Rezepte an die Radeberger-Gruppe verkauft hat, bleibt nur noch die zur Radeberger-Gruppe im Oetker-Konzern gehörende Schultheiss-Kindl-Brauerei in Hohenschönhausen (vereint Schultheiss, Berliner Kindl, Berliner Pilsner und viele andere Marken, jetzt auch die Bürgerbräu-Marken Rotkehlchen, Bernauer Schwarzbier und andere).

Dabei ist die Berliner Biergeschichte lang und vielfältig wie kaum eine andere. Vor etwa 100 Jahren war Berlin der weltgrößte Brauereistandort mit fast 100 Brauereien, darunter neben den oben genannten so große wie Bötzow, Patzenhofer, Engelhardt, Landré und viele andere.

Heute sind von den meisten Brauereien im günstigsten Falle nur noch leere Hüllen sichtbar, viele sind aber auch Ruinen oder sogar vollständig getilgt. Bei einem Brauereiseminar mit dem Verein Unter-Berlin wurde im April 2007 an einige von ihnen erinnert. Wir besuchten u.a. :

Königstadt-Brauerei
Produktionsgebäude
Produktionsgebäude
Gesamtansicht
Gesamtansicht

Heizhaus
Heizhaus

Schornstein
Schornstein

Die Königstadt-Brauerei befindet in der Saarbrücker Straße 18-24, zwischen Schönhauser Allee und Straßburger Straße. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1850 zurück, als Braumeister Wagner das Grundstück an der Schönhause Allee erwarb und mit Brauerei und Ausschank bebaute.

Zwischen 1871 und 1900 wurde die Brauerei mehrfach umgebaut und dabei immer dem neuesten Stand der Technik angepasst. So entstanden u.a. eine eigene pneumatische Mälzerei, ein Maschinenhaus mit Kältemaschinen zur Kühlung der Gär- und Lagerkeller und, als letzter größerer Umbau zur Brauereizeit, eine moderne Flaschenhalle. Die Kapazität erreichte in der Spitze 300.000 hl Bierausstoß pro Jahr.

Biergarten und Saalbau befanden sich direkt an der Schönhauser Allee. Daneben wurde an der Saarbrücker Straße eine Villa als Wohnhaus des Besitzers errichtet.

Die Brauerei produzierte nur bis 1921 und wurde dann nach Verkauf des Braukontingents an die Kindl-Brauerei stillgelegt. In der Zeit danach wurde das Gelände durch veschiedene Gewerbebetriebe genutzt, darunter einige Garagen mit angeschlossener Tankstelle. In den Saalbau zog 1925 nach entsprechendem Umbau das "Ufa Lichtspieltheater Königstadt" ein.

Im zweiten Weltkrieg brannte der Saalbau nach einem Bombenangriff 1943 vollständig aus. Auch Teile der Produktionsgebäude wurden beschädigt.

1945 wurden die Produktionsanlagen durch die Sowjetunion demontiert; 1949 wurde die Königstadt AG verstaatlicht. In der DDR wurde das Gelände unterschiedlich genutzt, u.a. als Standort der Fahrbereitschaft des Magistrats der Stadt. In den 60er Jahren musste die Ruine des Saalbaus dem Neubau einer Kaufhalle weichen.

Nach 1990 wurde das Gelände der Stadt Berlin übertragen. Der wertvollste Teil des Grundstücks an der Schönhauser Allee wurde an die zu DDR-Zeiten in Westberlin weiterexistierende Königstadt AG rückübertragen, an einen Investor verkauft und ist heute mit einem Bürogebäude bebaut.

Die ehemalige Direktorenvilla wurde zu einer Gaststätte umgebaut, die anderen Gebäude wurden teilweise von verschiedenen Kleinbetrieben genutzt. 1995 schlossen sich die Nutzer zur "Genossenschaft Gewerbehof Saarbrücker Straße e.G." zusammen, die seitdem gemeinsam verschiedene Nutzungskonzepte zu realisieren versucht.

Im Jahre 2003 kaufte die Genossenschaft das Gelände von der Stadt. Gleichzeitig wurde in der ehemaligen Schwankhalle mit Unterstützung der Königstadt AG ein Jugendklub eingerichtet.

Neben den unter Aspekten des Denkmalschutzes teilweise aufwendig restaurierten Gebäuden ist der beeindruckendste verbliebene Teil der ehemaligen Königstadt-Brauerei wohl der Gewölbekeller. Er ist in großen Teilen nahezu im Originalzustand erhalten und kann, fachkundige Führung vorausgesetzt, auch besichtigt werden.

Insgesamt 20 Gewölbe wurden von der Brauerei als Gär- und Lagerkeller benutzt. Nach Ende der Bierproduktion zogen viele Nachnutzer ein, u.a. Garagen, während des zweiten Weltkriegs Rüstungsproduktion und Luftschutzkeller, später eine LPG mit Champignonproduktion, verschiedene Lager und nach 1990 auch mehrere künstlerische Projekte.

In einen Teil des Gewölbekellers soll zukünftig ein Brauereimuseum mit Exponaten aus der großen Berliner Brauereigeschichte einziehen - was könnte eine passendere Nutzung dieser außergewöhnlichen Architektur sein ?

Schwankhalle
Schwankhalle

Fahrstuhlturm
Fahrstuhlturm

Sudhaus
Sudhaus

Detail
Detail

Lagerkeller
Lagerkeller

Gärkeller
Gärkeller

Bötzow-Brauerei

Sudhaus
Produktionsgebäude

Nur wenige Schritte von der Königstadt-Brauerei entfernt liegt an der Prenzlauer Allee 242-247 das Gelände der ehemaligen Bötzow-Brauerei. Sie wurde von Julius und Franz Bötzow 1864 auf dem Windmühlenberg errichtet. An der Prenzlauer Allee befand sich ein Biergarten mit Orchesterpavillon und bis zu 6000 Plätzen.

Die Brauerei wurde mehrfach umgebaut und erweitert, so dass sie zeitweise sogar als größte Brauerei Norddeutschlands galt. Der preußische König Wilhelm I ernannte Bötzow 1866 zum königlichen Hoflieferanten. 1904 wurde der Biergarten durch ein festes Restaurant mit Saalbau ergänzt. 1927 bis 1938 agierte die Brauerei als Aktiengesellschaft.

Nach Kriegsschäden wurde zwar 1948 die Produktion wieder aufgenommen und nach der Verstaatlichung 1949 als "VEB Bötzow" weiterbetrieben, aber schon zum Jahresende 1949 wurde der Braubetrieb stillgelegt. Die Produktionsanlagen wurden 1950 demontiert und zum größten Teil in anderen Berliner Brauereien weiterverwendet.

Bis 1990 dienten die Gebäude als Lager für die staatliche Handelsorganisation HO. Danach wurde das Gelände in verschiedenen Ausschreibungen angeboten, aber eine neue Nutzung scheiterte immer wieder aus verschiedenen Gründen.

Heute ist zwar ein Bauantrag von 1996 genehmigt, der trotz Engagement des Denkmalschutzes den Abriss von über der Hälfte der Gebäude und eine Nutzung durch ein Einkaufszentrum der Metro AG vorsieht, aber der Bau hat bisher noch nicht begonnen. Der Verein "Freunde der Bötzow-Brauerei" organisiert die Zwischennutzung von Teilen der Gebäude.

Besichtigungen sind zur Zeit leider nicht möglich, so dass man die Gebäude nur von außen betrachten kann.

Pfefferberg

Ansicht
Ansicht

Portal
Portal

Brunnen im Aufgang
Brunnen im Aufgang

Der Königstadt-Brauerei gegenüber liegt an der Schönhause Allee 176 das Gelände der Brauerei Pfefferberg. Die Front besteht im Erdgeschoss aus einer Ladenzeile. Darüber befindet sich der Biergarten hinter einer imposanten Pergola.

Die eigentlichen Brauereigebäude sind von der Christinenstraße 18-19 aus zugänglich. Die Anlagen wurden ab 1842 von Julius Pfeffer errichtet und mehrfach erweitert und verkauft. 1880 kam der Berliner Prater als zweiter Ausschank hinzu (siehe auch unten). 1911/12 baute man den Biergarten in der heutigen Form um.

Schon 1921, zwei Jahre nach dem Verkauf an die Schultheiss AG, endete der Braubetrieb. Die Gebäude wurden danach u.a.von einer Schokoladen- und einer Brotfabrik genutzt.

Im Krieg zieht, wie in vielen Brauereien, Rüstungsproduktion in die relativ bombensicheren Lagerkeller ein. Unter anderem produzierte hier die Telefunken AG Funkmesstechnik.

Nach der Enteignung 1949 zieht die Zentrag auf das Gelände und druckt hier bis 1973 u.a. die Zeitung "Neues Deutschland".

Nach 1990 wurde das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz gestellt. Der Verein "Pfefferwerk" macht sich für einen Kulturstandort mit Veranstaltungsmöglichkeiten und Künstlerateliers stark.

Der Biergarten wird noch immer von einem kleinen Ausschank bewirtschaftet - im Sommer ein herrlicher Ort um unter kühlenden Bäumen aus der "Belle Etage" einen Blick auf das Großstadtleben unten zu werfen.

Brauereihof
Brauereihof

Schornstein
Schornstein

Tür

Tür

Tür

Tür

Tür

Tür

Tür

Tür

Tür

Böhmisches Brauhaus

Ansicht
Ansicht

Mälzerei
Alte Mälzerei

Das Böhmische Brauhaus in der Friedrichshainer Friedenstraße 89, Ecke Pufendorfer Straße, wurde 1868 von Armand Knoblauch gegründet. Das hügeliger Gelände gestattete den Bau mehrgeschossiger Gär- und Lagerkeller. Zur Brauerei gehörte ein Ausschank im Biergarten mit bis zu 2000 Plätzen.

Seit 1870 Aktiengesellschaft, produzierte die Brauerei 1874 schon 136.000 hl Bier. Nach dem ersten Welkrieg fusionierte sie mit der Löwenbrauerei zur "Löwenbrauerei-Böhmisches Brauhaus AG".

Bis 1952 wurde hier noch produziert, dann aber wurde der Braubetrieb eingestellt und die Keller als größtes Weinlager der DDR genutzt. Das ehemalige Sudhaus diente als Turnhalle.

Nach 1990 wurde ein Teil des Geländes mit einem Hotel bebaut, das die Keller teilweise als Tiefgarage nutzt. Auf einem anderen Teil des Areals entstand ein Wohnkomlex. Die ehemalige Mälzerei wurde 1999 saniert und zu Luxuswohnungen umgebaut.

Sudhaus
Sudhaus

Patzenhofer-Brauerei

Panorama
Panorama

Fenster
Fenster der Villa

Fassade
Fassade

Der Name der Brauerei in der Landsberger Allee 54, Ecke Richard-Sorge-Straße 51-62, geht zurück auf Goerg Patzenhofer, Sohn eines Münchner Brauereibesitzers. Er richtete zunächst 1855 in der Neuen Königstraße (heute Otto-Braun-Straße) eine kleine Brauerei, die "Bayrisch-Bierbrauerei Georg Patzenhofer", ein und braute dunkle, untergärige Biere nach Kulmbacher, Nürnberger und Erlanger Art.

Zur Erweiterung der Produktion wurde in der Papenstraße (heute Karl-Liebknecht-Straße) eine Mälzerei und ein Sudhaus errichtet. Die Lagerkeller wurden auf der Friedrichshöhe gebaut.

Die Brauerei wurde 1871 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die "Actien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe vorm. Patzenhofer". Der Ausstoß wurde stetig gesteigert, viele andere Brauereien wurden übernommen.

An der Landsberger Allee bauten von 1877 bis 1896 u.a. der Architekt Rohmer die heute noch teilweise erhaltene Brauerei mit Sudhaus, Darre und Mälzerei sowie großen Lagerkellern. Ein Ausschank mit Biergarten war ebenfalls vorhanden.

Während des großen Brauereisterbens nach dem ersten Weltkrieg fusionierte Patzenhofer 1920 mit der Schultheiss-Brauerei und bildete mit der "Schultheiss-Patzenhofer Brauerei AG" den damals größten Brauereikonzern Deutschlands.

Die Marke "Patzenhofer" lebte nach auch dem zweiten Weltkrieg in der Westberliner Schultheiss-Brauerei weiter. Bis heute produziert Schultheiss das "Aecht Patzenhofer" als Premiummarke weiter.

Die Brauerei in der Landsberger Alle (später Leninallee) wurde nach dem Krieg verstaatlicht und ging im Getränkekombinat auf. Noch bis 1990 wurde hier produziert, dann wurde der Braubetrieb eingestellt. Die Versuchsanlage der Brauerei kann man übrigens heute im Berliner Technikmuseum besichtigen.

Nach Rückübertragung und Verkauf des Geländes sollte hier ein Einkaufszentrum, die "Schultheiss-Passagen" entstehen. Die Produktionshallen wurden bis auf die denkmalgeschützte Fassade abgerissen, der Neubau aber bis heute nicht realisiert.

So präsentiert sich uns die Ruine der Patzenhofer-Brauerei heute nur noch als trauriger Schatten ehemaliger Größe. Lediglich die Villa und die Fassaden von Sud- und Lagerhaus blieben erhalten.

Fassade
Fassade

Fassade
Fassade

Hof
Hof

Schweizergarten

Pförtner

Pförtner

Tor

Tor

Sudhaus
Sudhaus

Detail
Detail

Ab 1867 entsteht auf dem Gelände zwischen Greifswalder Straße 23 und Volkspark Friedrichshain, unweit des berühmten Saalbau Friedrichshain, ein Gartenlokal mit Vergnügungspark. Neben Restaurant, Trinkhallen und Biergarten locken auch Kegelbahnen, Schießbuden, eine Freilichtbühne und ein Saalbau die Berliner in Scharen.

Nach mehreren Bestzerwechseln innerhalb der Familie Schneider lässt Friederike Wilhelmine Schneider 1892 vom Architekten Andreas Rohmer eine Brauerei errichten, die der Sohn Carl Schneider betreiben soll.

Im Jahre 1900 wird nochmals der Lagerkeller erweitert, aber zum Kriegsbeginn 1914 wird die Brauerei stillgelegt.

Das Lokal wird ab 1921 vom Pächter Willibald Paeschke weitergeführt und sogar noch erweitert, so dass der Schweizergarten bald bis zu 10.000 Personen fasst und als "größtes und ältestes Sommertheater Berlins" beworben wird.

Im Krieg wird 1944/45 der Saalbau und Biergarten zerstört. Die Brauereigebäude bleiben fast unbeschädigt und werden zu DDR-Zeiten durch den Kohlehandel als Garagen und Lägerräume genutzt. Der Garten wird noch einige Zeit als "Luna-Park" weitergeführt; später wird dort eine Kindertag?esstätte errichtet.

Nach 1990 wird das Grundstück rückübertragen und an einen Investor verkauft. Verschiedene Anläufe zur Entwicklung des Arelas schlagen fehl, bis ab 2004 ein Projekt zum Bau von Einfamilienhäusern realisiert wird. Die Häuser sind zum Zeitpunkt des Besuchs im Rohbau.

Die ehemaligen Brauereigebäude sollen saniert und als Wohn- und Gewerbelofts genutzt werden.

Ansicht
Ansicht

Ansicht
Ansicht

Sudhaus
Sudhaus

Rückseite
Rückseite

Einblick
Einblick

Ausblick
Ausblick

Berliner Prater

Prater-Eingang
Eingang

Prater-Freilichtbühne
Freilichtbühne

Der Berliner Prater in der Kastanienallee 7-8, vom Volksmund benannt nach dem Wiener Vorbild, wurde schon 1837 als Bierausschank im Nebenerwerb eröffnet. 1852 kaufte der Gastwirt Kalbo das Gelände und ließ ein Gartenlokal errichten. 1857 kam ein Tanzsaal und 1861 eine Sommerbühne hinzu.

Die typische Mischung aus Biergarten, Restauration, Musik, Gaukelei und Theater ebenso wie die Verpachtung der Säle wurde von vielen anderen Biergärten nachgeahmt.

Seit 1880 gehörte der Prater Als Brauereiausschank zur Brauerei Pfefferberg. 1905 wurde das Haus an der Kastanienallee und der Tanzsaal zu einem Theater umgebaut.

Heute steht der Prater unter Denkmalschutz. Der Garten und ein Restaurant sind täglich geöffnet und finden im Sommer regen Zuspruch. Das Theater wird von der "Volksbühne" als Probe- und Studiobühne benutzt.

Prater-Bühnenhaus
Bühnenhaus